Freistaat Sachsen kauft eine Auswahl wichtiger Objekte aus der Münzsammlung Horn.

von Helmut Caspar

Der Freistaat Sachsen stellt in den kommenden Jahren eine halbe Million Euro zum Kauf einer bedeutenden Münz- und Medaillensammlung zur Verfügung, die seit vielen Jahren vom Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden verwahrt wird, ihm aber nicht gehört. Es handelt sich um eine von dem 1945 verstorbenen Meißner Weinhändler und Kunstsammler Ernst Otto Horn angelegte, von der Antike bis zum beginnenden 20. Jahrhundert reichende Universalsammlung.

Die mehr als 45 000 Objekte umfassende Kollektion ist Teil der Otto-und-Emma-Horn-Stiftung, die 1951 errichtet, aber wegen angeblicher Steuerschulden bereits 1954 aufgelöst wurde. Dabei hat die DDR die Münzen und Medaillen sowie andere Kunstgegenstände verstaatlicht. Die Münzsammlung kam von Meißen ins Berliner Münzkabinett und gelangte von dort Ende der sechziger Jahre nach Dresden ins Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen.

Nach dem Ende der DDR und der deutschen Wiedervereinigung kam es zu einem langen Rechtsstreit zwischen der Stadt Meißen beziehungsweise der restituierten Otto-und-Emma-Horn-Stiftung und dem Freistaat Sachsen, der Ende des vergangenen Jahres mit einem Vergleich beigelegt wurde. Wie Dr. Rainer Grund, der Direktor des Dresdner Münzkabinetts, erläutert, sei die Sammlung Horn ein seltenes Zeugnis für die numismatischen Interessen eines begüterten Bürgers in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Durch den Ankauf kommen wichtige Stücke in das Dresdner Münzkabinett, die dort nicht oder in anderen Varianten vertreten sind. Ich nenne nur sächsische Prägungen der Albertiner und Ernestiner, aber auch Medaillen sächsischer Herrscher und Städte, die der Kunstfreund Ernst Otto Horn mit großer Akribie und erheblichem finanziellem Einsatz zusammengetragen hatte. Das gilt auch für Münzen aus dem deutschen Mittelalter und solche deutscher Fürsten, die hervorragend die Bestände des Dresdner Münzkabinetts ergänzen.“ Deshalb sei es nur zu begrüßen, so Grund weiter, dass der Rechtsstreit zwischen der Otto-und-Emma-Horn-Stiftung und dem Freistaat Sachsen jetzt gütlich beendet wurde und eine bedeutende Privatsammlung vor Vereinzelung bewahrt wird. Dass der Ankauf in Zeiten knapper Kassen zustande kommt, sei eine hervorragende Leistung des Freistaats Sachsen.

Aktuell wird die Horn-Sammlung im Dresdner Münzkabinett im Rahmen des so genannten Daphne-Projekts erfasst und in einer Datenbank gespeichert. Damit soll dokumentiert werden, woraus sich die Kollektion zusammensetzt und nach welchen Prinzipien sie angelegt wurde. Zur Vereinbarung zwischen der Otto-und-Emma-Horn-Stiftung und dem Freistaat Sachsen gehört, dass das Dresdner Münzkabinett im Sammlungsbestand fehlende Objekte von herausragender musealer und wissenschaftlicher Bedeutung erwerben kann. Von Rainer Grund und seinen Mitarbeitern werden bis Anfang Juni 2011 mehrere Wunschlisten erstellt, die insgesamt bis etwa 20 Prozent der Gesamtmenge der Münzsammlung Horn enthalten werden. In einer ersten Tranche von nahezu 100 000 Euro wurden bereits wertvolle sächsische Münzen aus dem Zeitraum von 1500 bis 1543 erworben, und weitere Objekte werden folgen. Da jene vom Freistaat Sachsen bereit gestellten 500 000 Euro nicht ausreichen werden, um die komplette Münz- und Medaillensammlung Horn anzukaufen, hofft der Direktor des Dresdner Münzkabinetts auf finanzielle Hilfen von dritter Seite.

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